Kennen Sie den Cocktail-Party-Effekt?
- Jan Sulzer
- 20. Feb.
- 1 Min. Lesezeit
Die Fähigkeit des Menschen, während eines Gesprächs unwesentliche Geräusche auszublenden, nennt man den Cocktail-Party-Effekt. Ein neurotypisches Gehirn filtert automatisch alle möglichen äusseren Reize und sortiert vor, was ins Bewusstsein gelangen soll. So kann man sich also auf einer Party selbst bei hohem Lärmpegel ganz auf sein Gegenüber konzentrieren. Auch in vielen anderen Lebenssituationen hilft die Reizfilterung, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Menschen mit ADHS haben jedoch oft eine typische Reizoffenheit, auch Reizfilterschwäche genannt, die eine Aufrechterhaltung der Konzentration stark einschränken kann. Sämtliche Sinnesreize können in ungewöhnlicher Intensität ins Bewusstsein eindringen, weil die Filterung nicht ausreichend funktioniert.
Es stellt sich dadurch das Gefühl ein, alles immer gleichzeitig wahrzunehmen. Die dauernde Reizüberflutung führt zu Ablenkbarkeit, schneller Ermüdung und zur Überlastung des Systems. Eine Cocktail-Party kann zur unendlich auslaugenden Erfahrung werden.
Viele Betroffene empfinden es als hilfreich zu wissen, dass gewisse Schwierigkeiten im Alltag rund um die Konzentrationsfähigkeit tatsächlich etwas mit der Reizverarbeitung im Gehirn zu tun haben. Dass die eigene Reizfilterschwäche keine Krankheit ist, die man «heilen» muss, sondern dass es vielmehr darum geht, die eigene Reizoffenheit besser zu verstehen und das Nervensystem zu regulieren.
Damit die mentale Erschöpfung nicht so schnell eintritt, weder in anspruchsvollen Sitzungen noch an Cocktailpartys.
