Raum für Übergänge
- Jan Sulzer
- vor 3 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Nichts im Leben ist wirklich stabil, alles ist ständig in Bewegung, ein Zustand wird vom nächsten abgelöst. Alles fliesst, das wusste schon Heraklit vor rund 2500 Jahren.
Vielleicht klingt das jetzt nach einer etwas banalen Feststellung, doch für neurodivergente Menschen und ihre Familien können Veränderungen, und besonders die damit verbundenen Übergänge, eine besondere Herausforderung darstellen.

Seien es bedeutende Veränderungen wie eine Beförderung mit neuer Verantwortung, ein Umzug in eine neue Stadt, das Ende einer Liebesbeziehung, Eltern zu werden oder einen geliebten Menschen zu verlieren. Oder kleinere wie der Beginn der Sommerferien, starke Wetterschwankungen oder auch nur der Übergang vom Tag in die Nacht für ein Kind oder das morgendliche Verlassen der Wohnung in Richtung Schule.
All diese Übergänge, gross wie klein, stellen für unsere regulatorischen Systeme Anforderungen dar. Manchmal mag es gar scheinen, als seien diese Übergänge nicht bewältigbar.

Wie Übergänge gelingen können
Aus meiner Sicht ist es hilfreich, sich der Bedeutung der Übergänge erst einmal bewusst zu werden. Herauszufinden, was sie uns abverlangen. Energetisch, emotional, körperlich. Um ihnen dann die nötige Sorgfalt zu widmen.
sich bewusst machen, dass es ein Übergang ist
dem Übergang Platz einräumen
mehr Pufferzeiten geben
andere Abläufe ausprobieren
unterstützende Strukturen aufbauen
bewusste Erholungsphasen einplanen
Innehalten und erst dann handeln
keine überhöhten Erwartungen an sich selbst und an andere
Vielleicht müssen auch neue Entscheidungen getroffen werden: Gut möglich, dass ein paar Dinge, die wir mental mit uns herumschleppen, einfach von unserer To-Do-Liste gestrichen gehören.
Uns selbst aber auch unseren Mitmenschen mit einer guten Portion an Nachsichtigkeit zu begegnen ist immer eine gute Idee. Gemeinsam lassen sich viele Übergänge besser bewältigen. Und gemeinsam kann eben auch bedeuten, dass wir anfangen mit uns selbst zu kooperieren anstatt uns selbst mit übertriebener Strenge herumzubefehlen.
In diesem Sinn: Kommen Sie gut durch den nächsten Übergang, der Ihnen bevorsteht - oder in dem Sie sich schon längst befinden!
